Die Rolle des Schiedsrichters: Vorher, Während & Danach

Kapitel 7 — Leitfaden Kompletter Leitfaden zur Rolle des Schachschiedsrichters: vor, während und nach dem Turnier. Häufige Entscheidungen, Schachregeln-Urteile, FIDE-Schiedsrichtertitel erklärt.

Der Schiedsrichter ist der Hüter des Spielsaals. Während der Organisator sich um alles außerhalb kümmert — Veranstaltungsort, Preise, Anmeldungen — ist der Schiedsrichter für alles verantwortlich, was an den Brettern geschieht. Dieses Kapitel gibt Ihnen ein vollständiges Bild der Rolle, von den am häufigsten vorkommenden Regelentscheidungen bis hin zu den Unterlagen, die Sie aufbewahren müssen.

Schiedsrichter vs Organisator: der entscheidende Unterschied

Bei professionellen Veranstaltungen sind Schiedsrichter und Organisator immer verschiedene Personen — aus gutem Grund. Der Organisator hat ein finanzielles und reputatives Interesse am Turnierergebnis. Der Schiedsrichter muss unparteiisch sein. Die Vermischung beider Rollen erzeugt einen Interessenkonflikt.

Bei Vereins- und Schulturnieren trägt eine Person oft aus praktischer Notwendigkeit beide Hüte. Dies ist akzeptabel, aber die Person muss bewusst zwischen den Rollen wechseln: Als Organisator trifft sie logistische Entscheidungen; als Schiedsrichter setzt sie Regeln unparteiisch durch, auch wenn dies die eigene Veranstaltung beeinträchtigt.

Die klarste praktische Regel: Jede Entscheidung, die das Ergebnis einer Partie beeinflussen könnte, gehört zum Schiedsrichter, nicht zum Organisator. Die Preisstruktur bekannt geben, das Feinwertungssystem wählen oder eine Runde verschieben — das sind Organisator-Entscheidungen. Über einen regelwidrigen Zug urteilen, einen Verlust entscheiden oder eine Handyverletzung behandeln — das sind Schiedsrichterentscheidungen, die nicht von organisatorischen Erwägungen beeinflusst werden dürfen.

Die Autorität des Schiedsrichters ist definiert in FIDE-Schachregeln E.01 (gültig ab 1. Januar 2023), Artikel 12 — Die Rolle des Schiedsrichters. → E.01 lesen

FIDE-Schiedsrichtertitel: FA, IA und nationale Titel

Die FIDE vergibt Schiedsrichtertitel, die die Kompetenz einer Person zur Leitung von Schachveranstaltungen bescheinigen. Diese Titel sind für Vereins- oder Schulveranstaltungen nicht erforderlich, aber für FIDE-gewertete Turniere erforderlich — oder dringend empfohlen.

Titel Vollständiger Name Typische Verwendung Wie zu erhalten
IA Internationaler Schiedsrichter Große internationale Veranstaltungen, Olympiaden, Weltmeisterschaften FIDE-IA-Seminar bestehen + Erfahrungsanforderungen
FA FIDE-Schiedsrichter Nationale und internationale gewertete Veranstaltungen, die meisten FIDE-Turniere FIDE-FA-Seminar bestehen + 3 gewertete Veranstaltungen als Stellvertreter
NA Nationaler Schiedsrichter Nationale Verbandsveranstaltungen; möglicherweise nicht ausreichend für FIDE-gewertete Vom nationalen Verband definiert
None Vereins-/Schulschiedsrichter Ungewertete Vereinsveranstaltungen, Schulturniere Gute Kenntnis der Schachregeln ist ausreichend
Für Vereinsorganisatoren

Wenn Sie regelmäßig FIDE-gewertete Veranstaltungen durchführen möchten, lohnt es sich, mindestens einen FA-titulierten Schiedsrichter in Ihrem Verein zu haben. Das FA-Seminar ist ein 2-tägiger Kurs, der von der FIDE und nationalen Verbänden mehrmals im Jahr angeboten wird. Er umfasst die Schachregeln, Paarungsregeln und praktisches Turniermanagement.

Für ungewertete Vereinsveranstaltungen kann jeder erfahrene Spieler, der die Regeln gründlich kennt, als Schiedsrichter fungieren — kein formeller Titel ist erforderlich.

Die drei Phasen der Schiedsrichterarbeit

Vor dem Turnier
  • Turnierregularium prüfen
  • Veranstaltungsort und Ausrüstung überprüfen
  • Spieleranmeldungen und FIDE-IDs prüfen
  • Verlustzeit festlegen und bekanntgeben
  • Bestätigen, dass die Feinwertungsreihenfolge veröffentlicht ist
  • Stellvertretende Schiedsrichter über Pflichten einweisen
  • Paarungssoftware vorbereiten
  • Handyregelung festlegen und bekanntgeben
Während der Runden
  • Alle Uhren zum Rundenbeginn starten
  • Partien auf Regelverstöße überwachen
  • Verspätete Ankünfte und kampflose Partien behandeln
  • Über regelwidrige Züge entscheiden
  • Remisansprüche behandeln
  • Handyregelung durchsetzen
  • Ergebniszettel einsammeln und überprüfen
  • Ergebnisse in die Paarungssoftware eingeben
Nach dem Turnier
  • Überprüfen, dass alle Ergebnisse erfasst sind
  • Endranglisten berechnen und veröffentlichen
  • Ausstehende Einsprüche klären
  • TRF-Datei unterschreiben und bestätigen
  • Partieformulare archivieren (Standard-Veranstaltungen)
  • Schiedsrichterbericht einreichen, falls erforderlich
  • Ausrüstung an den Organisator zurückgeben

Vor dem Turnier: Aufbau und Vorbereitung

Die Arbeit des Schiedsrichters beginnt weit vor Runde 1. Pünktliches und vorbereitetes Erscheinen verhindert die meisten Probleme von vornherein.

Verlustzeit festlegen — und öffentlich bekanntgeben

Gemäß FIDE-Schachregeln Art. 6.7 beträgt die Standard-Verlustzeit null Minuten: Ein Spieler, der nicht anwesend ist, wenn der Schiedsrichter die Uhren startet, verliert kampflos. Der Hauptschiedsrichter kann jedoch vor Turnierbeginn eine andere Verlustzeit festlegen — z.B. 30 Minuten oder 50% der Hauptbedenkzeit. Was auch immer Sie entscheiden, es muss in den Turnierregeln stehen und vor Runde 1 bekanntgegeben werden.

Für die meisten Vereinsveranstaltungen ist eine Verlustzeit von 30 Minuten (oder die Hälfte der Anfangsbedenkzeit für Schnellschach) ein vernünftiger Kompromiss zwischen der Durchsetzung von Pünktlichkeit und der Berücksichtigung von Verspätungen durch Verkehr oder praktische Gründe.

Die Handyansage

Vor Beginn von Runde 1 — nicht während, sondern vorher — muss der Schiedsrichter die Handyregelung explizit bekanntgeben. Die FIDE-Standardregel (Art. 11.3b) ist Null-Toleranz: Wenn ein Handy ein Geräusch macht oder beim Spieler während der Partie gefunden wird, ist die Partie verloren. Sie können eine mildere Regelung für Vereinsveranstaltungen anwenden, aber die Regelung muss klar vor Beginn jeder Partie formuliert sein.

Ausrüstungsinspektion

Gehen Sie den Spielsaal vor der ersten Runde ab. Überprüfen Sie, dass jedes Brett Figuren angemessener Größe hat, Uhren funktionieren und korrekt eingestellt sind, Partieformulare an jedem Brett verfügbar sind (für Standard-Veranstaltungen) und die Brettnummerierung mit der Paarungsliste übereinstimmt.

Während der Runden: worauf achten

Ein erfahrener Schiedsrichter ist während einer reibungslosen Runde kaum sichtbar — Spieler sollten ihn nur bemerken, wenn etwas schiefgeht. Gehen Sie regelmäßig durch den Spielsaal und bewegen Sie sich leise zwischen den Brettern. Achten Sie auf:

Uhren laufen nicht. Beide Uhren sollten immer laufen (eine stoppt, wenn die andere startet). Eine stehende Uhr, wenn ein Spieler am Zug ist, bedeutet, dass Zeit inkorrekt verloren geht.

Spieler schreiben vor dem Ziehen. Einen Zug aufzuschreiben, bevor er auf dem Brett ausgeführt wird, ist nicht erlaubt — Partieformulare dienen der Aufzeichnung, nicht der Planung.

Handys und elektronische Geräte. Selbst stumme Handys können gemäß FIDE-Regeln zu kampflosen Niederlagen führen, wenn sie beim Spieler gefunden werden. Seien Sie konsequent bei der Durchsetzung — selektive Durchsetzung führt zu Streitigkeiten.

Störende Zuschauer. Zuschauer dürfen die Spieler nicht stören oder während der Partie mit ihnen kommunizieren. Dies betrifft auch Trainer, Eltern und andere Spieler, deren Partien bereits beendet sind.

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12 häufige Regelentscheidungen erklärt

Dies sind die Situationen, denen ein Schiedsrichter am häufigsten begegnet. Für jede Situation: das typische Szenario, das relevante FIDE-Regel und die korrekte Reaktion.

📱 Das Handy eines Spielers klingelt oder vibriert während der Partie
FIDE-Regel
Art. 11.3b: Wenn ein Handy ein Geräusch macht oder festgestellt wird, dass es benutzt wurde, ist die Partie für diesen Spieler verloren. Das Ergebnis des Gegners wird vom Schiedsrichter entschieden.
→ E.01 Art. 11.3b
Korrekte Reaktion
Ruhig herantreten, beide Uhren stoppen und die Partie für den Spieler, dessen Handy Geräusche gemacht hat, als verloren erklären. In den meisten Fällen dem Gegner einen Sieg zusprechen. Keine Verwarnung vorher aussprechen — das Regelwerk sieht keine Verwarnungen vor.
Spieler kommt zu spät
FIDE-Regel
Art. 6.7: Die Standard-Verlustzeit beträgt null. Ein Spieler, der bei Uhrenstart abwesend ist, verliert kampflos, sofern der Hauptschiedsrichter nicht vor dem Turnier eine andere Verlustzeit festgelegt hat.
→ E.01 Art. 6.7
Korrekte Reaktion
Die in den Regularien angekündigte Verlustzeit anwenden. Wenn der Spieler innerhalb der Verlustzeit eintrifft, startet er mit bereits laufender Uhr — die bereits abgelaufene Zeit geht verloren. Zusätzliche Zeit wird nicht gewährt.
Regelwidriger Zug auf dem Brett
FIDE-Regel
Art. 7.5: Erster regelwidriger Zug → die Stellung wird wiederhergestellt und der Gegner erhält 2 Minuten zusätzlich. Zweiter regelwidriger Zug in derselben Partie → die Partie ist für den Spieler verloren, der ihn ausgeführt hat (der Gegner muss über ausreichendes Mattmaterial verfügen).
→ E.01 Art. 7.5
Korrekte Reaktion
Beide Uhren stoppen. Die Stellung vor dem regelwidrigen Zug wiederherstellen. 2 Minuten zur Uhr des Gegners hinzufügen. Den Spieler darauf hinweisen, dass ein zweiter regelwidriger Zug zum Partieverlust führt. Den Vorfall notieren, für den Fall eines zweiten Verstoßes.
🤝 Remisantrag wegen dreifacher Stellungswiederholung
FIDE-Regel
Art. 9.2: Ein Spieler kann Remis beanspruchen, wenn dieselbe Stellung zum dritten Mal auftreten wird (vor dem Zug) oder bereits dreimal aufgetreten ist (nach dem Zug). Der Spieler muss die Uhr stoppen und den beabsichtigten Zug aufschreiben, bevor er den Antrag stellt.
→ E.01 Art. 9.2
Korrekte Reaktion
Den Spieler bitten, seinen beabsichtigten Zug aufzuschreiben (ohne ihn auszuführen). Die Uhren stoppen. Die Wiederholung anhand des Partieformulars überprüfen — die Stellung, nicht nur die Züge, muss sich wiederholt haben, wobei derselbe Spieler am Zug sein muss. Wenn gültig, Remis erklären. Wenn ungültig, 2 Minuten zur Uhr des Gegners hinzufügen und die Partie wird fortgesetzt.
Spieler beansprucht, dass das Blättchen des Gegners gefallen ist
FIDE-Regel
Art. 6.10: Der Schiedsrichter entscheidet. Ein Blättchenfall (Zeitablauf) ist nur dann ein Verlust, wenn der Gegner über ausreichendes Mattmaterial verfügt. Wenn der Gegner nur noch einen König hat, ist die Partie remis, unabhängig vom Uhrenstand.
→ E.01 Art. 6.10
Korrekte Reaktion
Beide Uhren stoppen. Bestätigen, dass das Blättchen gefallen ist. Prüfen, ob der Gegner über ausreichendes Mattmaterial verfügt (mindestens: ein Bauer, Turm, Dame, Läufer + Springer oder zwei Läufer). Wenn ja, Zeitverlust erklären. Wenn der Gegner nur einen nackten König hat, Remis erklären.
🔄 Spieler berührt eine Figur, behauptet aber, sie nicht ziehen zu wollen
FIDE-Regel
Art. 4.3: Wenn ein Spieler eine Figur mit der Absicht berührt, sie zu ziehen, muss er sie ziehen (sofern ein regelkonformer Zug existiert). Der Spieler muss deutlich „j'adoube" (oder „Ich rücke zurecht") sagen, bevor er eine Figur zum Zurechtrücken berührt.
→ E.01 Art. 4.3
Korrekte Reaktion
Wenn der Spieler die Figur berührt hat, ohne vorher „j'adoube" zu sagen, muss er sie ziehen. Wenn ein regelkonformer Zug mit dieser Figur möglich ist, muss dieser ausgeführt werden. Wenn kein regelkonformer Zug mit der berührten Figur möglich ist, gibt es keine Strafe — aber behalten Sie den Spieler im Auge.
📋 Spieler hört auf, die Partie zu notieren (Standard-Veranstaltung)
FIDE-Regel
Art. 8.4: Wenn ein Spieler weniger als 5 Minuten auf der Uhr hat (bei Bedenkzeiten ohne Inkrement oder ohne ausreichendes Inkrement), darf er aufhören, Züge zu notieren. Bei einem Inkrement von 30 Sekunden oder mehr ist das Notieren stets erforderlich.
→ E.01 Art. 8.4
Korrekte Reaktion
Bedenkzeit und verbleibende Zeit des Spielers prüfen. Wenn die Voraussetzungen für das Einstellen der Notation nicht erfüllt sind, den Spieler auffordern, weiter zu notieren. Bei einem Streit über die Stellung können Sie die unvollständigen Partieformulare beider Spieler sowie die eigenen Beobachtungen des Schiedsrichters verwenden, um die Partie zu rekonstruieren.
😤 Spieler verhält sich störend oder unhöflich
FIDE-Regel
Art. 12.7: Der Schiedsrichter kann störende Personen vom Spielort verweisen. Art. 12.6: Ein Spieler, der wiederholt die Runde stört, kann verwarnt, mit einer Zeitstrafe belegt oder die Partie kann gegen ihn als verloren gewertet werden.
→ E.01 Art. 12.6-12.7
Korrekte Reaktion
Ruhig und leise herantreten. Zunächst eine mündliche Verwarnung aussprechen (es sei denn, das Verhalten ist schwerwiegend). Den Vorfall dokumentieren. Bei anhaltender Störung: Zeitstrafe (Zeit zur Uhr des Gegners hinzufügen) oder Partieverlust. Bleiben Sie selbst stets ruhig — ein aufgeregter Schiedsrichter eskaliert Situationen.
Spieler streiten über das Ergebnis einer Partie
FIDE-Regel
Art. 8.7: Wenn beide Partieformulare unvollständig oder widersprüchlich sind, nutzt der Schiedsrichter alle verfügbaren Beweise, um die Partie zu rekonstruieren und das Ergebnis festzustellen. Die Entscheidung des Schiedsrichters ist endgültig, vorbehaltlich eines Einspruchs.
→ E.01 Art. 8.7
Korrekte Reaktion
Beide Partieformulare sofort einsammeln und jede Diskussion zwischen den Spielern unterbinden. Die Partie ab dem Beginn der Unstimmigkeit anhand beider Formulare und Zeugenaussagen rekonstruieren. Mündliche Aussagen allein nicht akzeptieren — schriftliche Beweise haben immer Vorrang.
🏳 Spieler gibt auf oder bietet mündlich Remis an, ohne es zu notieren
FIDE-Regel
Art. 5.1.2: Ein Spieler gibt auf, wenn er die Uhr stoppt und dies dem Schiedsrichter anzeigt, oder wenn er seinen König umlegt. Art. 9.1: Ein Remisangebot ist zu jedem Zeitpunkt während der Partie gültig.
→ E.01 Art. 5.1.2 & 9.1
Korrekte Reaktion
Das Ergebnis mit beiden Spielern mündlich bestätigen und dann sicherstellen, dass der Ergebniszettel von beiden unterschrieben wird. Eine Aufgabe oder ein Remisangebot kann nach Annahme nicht zurückgenommen werden. Wenn ein Spieler versucht, es zurückzunehmen, bleibt das ursprüngliche Ergebnis bestehen.
🏁 Beide Spieler beanspruchen, dass das Blättchen des Gegners zuerst gefallen ist
FIDE-Regel
Art. 6.10.1: Wenn der Schiedsrichter nicht feststellen kann, wessen Blättchen zuerst gefallen ist, wird die Partie fortgesetzt. Analoge Uhren erlauben selten eine genaue Bestimmung; digitale Uhren mit Blättchenanzeige machen dies deutlicher.
→ E.01 Art. 6.10.1
Korrekte Reaktion
Bei digitalen Uhren: Display prüfen — die meisten digitalen Uhren zeigen an, wessen Blättchen gefallen ist. Bei analogen Uhren oder bei Unsicherheit: beide Uhren mit der zum Zeitpunkt des Anspruchs verbleibenden Zeit neu starten. Wenn wirklich nicht feststellbar: Partie fortsetzen. Niemals raten.
Spieler beansprucht unzureichendes Mattmaterial (tote Stellung)
FIDE-Regel
Art. 5.2.2: Die Partie ist remis, wenn eine Stellung entsteht, aus der ein Schachmatt durch keine Folge regelkonformer Züge eintreten kann, selbst bei unsachgemäßestem Spiel. Dies geschieht automatisch — kein Spieler muss es beanspruchen.
→ E.01 Art. 5.2.2
Korrekte Reaktion
Die Stellung auf dem Brett überprüfen. Klassische tote Stellungen: KK, KLK, KSK (blanker König gegen König + Leichtfigur). Wenn ein Schachmatt durch keine Zugfolge wirklich unmöglich ist, sofort Remis erklären, unabhängig vom Uhrenstand.

Nach dem Turnier: Ergebnisse und Berichte

Sobald die letzte Partie beendet ist, verschiebt sich die Rolle des Schiedsrichters von der Regelaufsicht zur Dokumentation. Diese Phase wird oft hastig erledigt — aber eine korrekte Durchführung ist wichtig für die Wertungseinreichung und die spätere Klärung von Streitigkeiten.

Jedes Ergebnis überprüfen. Vergleichen Sie die Endrangliste in ChessPairings.org mit den unterschriebenen Ergebniszetteln. Unstimmigkeiten lassen sich jetzt leichter korrigieren als nachdem die TRF-Datei beim Verband eingereicht wurde.

Ausstehende Entscheidungen klären. Wenn eine Entscheidung aufgeschoben wurde oder angefochten wird, muss sie vor dem Export der TRF-Datei geklärt werden. Ein ungeklärtes Ergebnis bedeutet, dass die Rangliste vorläufig ist und nicht eingereicht werden kann.

Die TRF unterschreiben. Die Unterschrift des Schiedsrichters (oder die digitale Zertifizierung) auf der TRF-Datei bestätigt, dass das Turnier nach den Regeln durchgeführt wurde. Manche Verbände verlangen die FIDE-ID des Schiedsrichters im TRF-Header.

Dokumentation, die der Schiedsrichter aufbewahren muss

Bei FIDE-gewerteten Standard-Veranstaltungen muss der Schiedsrichter Folgendes mindestens ein Jahr nach dem Turnier aufbewahren (oder gemäß den Anforderungen des Verbandes):

Unterschriebene Ergebniszettel von jeder Partie — diese sind der primäre Beweis im Falle von Streitigkeiten. Wenn keine Ergebniszettel verwendet wurden (einige Schnellschach-Veranstaltungen), dienen unterschriebene Partieformulare demselben Zweck.

Paarungslisten für jede Runde, mit Brettnummern, Spielerzuordnungen und Farben. Drucken und bewahren Sie eine unterschriebene Kopie auf — ein Screenshot der Software ist für offizielle Unterlagen nicht ausreichend.

Vorfallsprotokoll. Jede Entscheidung, Verwarnung oder Strafe, die während des Turniers ausgesprochen wird, sollte zum Zeitpunkt des Vorfalls schriftlich festgehalten werden, einschließlich der Uhrzeit, Brettnummer, der Art des Vorfalls und der getroffenen Entscheidung.

Das Einspruchsverfahren

Jedes Turnier sollte ein Einspruchsverfahren haben, das vor Runde 1 bekannt gegeben wird. Bei Vereinsveranstaltungen ist dies oft vereinfacht: Ein Spieler kann gegen eine Entscheidung bei einem dafür vorgesehenen Einspruchskomitee Einspruch einlegen (typischerweise 3 Personen, die nicht an der Partie beteiligt waren), innerhalb einer festgelegten Frist nach der Entscheidung.

Für FIDE-gewertete Veranstaltungen gilt das Standardverfahren gemäß FIDE C.11: Einsprüche müssen innerhalb eines bestimmten Zeitfensters eingelegt werden (in der Regel vor Beginn der nächsten Runde), begleitet von einer Einspruchsgebühr, die bei Ablehnung des Einspruchs verfällt.

Der Schiedsrichter kann nicht dem Einspruchskomitee für seine eigenen Entscheidungen angehören. Wenn es kein Einspruchskomitee gibt, ist die Entscheidung des Schiedsrichters endgültig — was ein weiterer Grund ist, bei größeren Veranstaltungen mindestens zwei Schiedsrichter zu benennen.

Wenn Schiedsrichter und Organisator dieselbe Person sind

Wenn Sie eine kleine Vereinsveranstaltung allein leiten, finden Sie hier praktische Strategien, um beide Rollen zu erfüllen, ohne eine davon zu beeinträchtigen:

Schreiben Sie alles vor Runde 1 auf. Die Turnierregularien, Feinwertungsreihenfolge, Handyregelung und Verlustzeit sollten alle schriftlich festgehalten und von Ihnen vor dem Turnier unterzeichnet sein. Dies verhindert das „Ich habe meine Meinung geändert"-Problem mitten im Turnier.

Nutzen Sie Software, um menschliche Fehler bei den Paarungen zu vermeiden. ChessPairings.org erstellt Paarungen automatisch gemäß den FIDE-Regeln. Wenn ein Spieler eine Paarung in Frage stellt, können Sie auf den Algorithmus verweisen statt auf eine persönliche Entscheidung.

Benennen Sie einen Stellvertreter für Streitigkeiten, die Ihre eigenen Interessen betreffen. Wenn ein Streit entsteht, der die Rangliste in einer Weise beeinflussen könnte, die jemandem zugutekommt, den Sie persönlich kennen — oder der Organisatorseite Ihrer Arbeit — treten Sie zurück und lassen Sie eine neutrale dritte Partei entscheiden.

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